Ein Pflegehund namens Maxi zieht ein.

Ein Pflegehund namens Maxi zieht ein.

Da standen wir nun mit dem kleinen Piloten und versuchten ihn dazu zu bewegen, durch die Haustür zu gehen. Sandra meinte, dass er sicher hungrig und durstig sei. Wir hatten daher schon vorab alles vorbereitet: Das Futter, das er vom Tierheim gewohnt war, exquisites Wiener Hochquellwasser und ein kuscheliges Hundebett.

 

Aber wie sollten wir Maxi kommunizieren, dass er von uns nur Gutes zu erwarten hatte? Er stand einfach nur da an der Türschwelle, starrte auf den Boden und wollte sich partout nicht bewegen. Der Arme, hatte ja keine Ahnung was mit ihm geschah und vor allem, was diese komischen Menschen nun schon wieder von ihm wollten. Filippo und ich versuchten ihm gut zuzureden und ihn dazu zu bewegen, mit uns ins Haus zu gehen. Aber nichts. Er starrte einfach weiter vor sich hin, ab und zu schaute er uns fragend an, um dann wieder weiter auf den Boden zu stieren. Wir wollten ihn auf keinen Fall hinein tragen oder etwa an der Leine ziehen. Er sollte schon in seinem eigenen Tempo ankommen dürfen.

 

Das einzige, was wir von seinem Leben vor dem Tierheim wussten war, dass er auf der Straße herumgestreuntert war, bis ihn der Hundefänger schnappte und in die Tötung brachte, von der er dank den „Buksis“ über das Tierheim in Ungarn nach Wien zu uns gekommen war. Ein weiter, turbulenter Weg lag hinter Maxi und wir konnten nicht einmal erahnen, was in ihm vorging. Filippo und ich gaben uns alle Mühe der Welt, um ihn irgendwie dazu zu bewegen über die Türschwelle zu gehen. Aber keine Chance. Was wir erst später von den Buksis erfuhren: Maxi konnte zu dem Zeitpunkt schon sehr viel, was Menschen meistens von Hunden erwarten. Er war stubenrein, er konnte an der Leine gehen, er konnte auf Befehl sitzen, sich hinlegen, stehen bleiben und bestimmt auch die Stufen hinauf gehen – aber nur, wenn die Person ungarisch mit ihm sprach. Was wir beide nicht konnten und uns in der Aufregung auch nicht eingefallen wäre.

 

Nach 10 Minuten gaben wir auf, setzen uns auf die Stufen und warteten bei lockerer Leine einfach mal ab. Wir begannen uns über Belangloses zu unterhalten und versuchten, den Wuschel mit der Lederjacke vor uns so gut wie möglich in Ruhe zu lassen. Und, oh Wunder, nach einer halben Stunde Wartezeit bewegte der Hund seine Pfoten in unsere Richtung. Ganz zaghaft und vorsichtig. Und dann, Stufe für Stufe, erklommen wir langsam unser Altbau-Stiegenhaus bis zum Aufzug, in den er dann sogar relativ schnell einstieg. Er musste wohl, trotz unserer nicht vorhandenen Ungarisch-Kenntnisse, gecheckt haben, was wir von ihm wollten. Und unsere Geduld wurde von ihm mit etwas belohnt, das wichtiger ist als jede Sprache der Welt: Vertrauen.

 

Endlich kamen wir in der Wohnung an, wo die anderen schon neugierig warteten. Plötzlich war er gar nicht mehr so zaghaft, vor allem als er den vollen Futternapf entdeckte, auf den er sich sogleich stürzte. Während er genüsslich mampfte und trank, wurde er von vier neugierigen Augenpaaren begutachtet. Maxi war angekommen und da waren wir nun, Maxis neue Mitbewohner: Jose, Stefan, Filippo und ich.

 

Verstohlen blickte ich zu den anderen, um deren Reaktion zu sehen. Würden sie dasselbe denken wie ich? Diesen Hund, das war mir vom ersten Blickkontakt klar, den konnte ich nicht mehr hergeben. Niemals, nie und nimmer…

 

 

 

Die ersten Fotos von Maxi in Wien: