Ermutigung

Kreatives Schreiben ist eine Offenbarung der eigenen Phantasie. Nicht alle Menschen wollen schreiben. Aber die, die Lust daran haben, sollten diese auch ausleben dürfen. Dabei ist es wichtig, ein ermutigendes Umfeld zu schaffen, zum Beispiel durch eine Schreibgruppe.

 

Fehler finden wir alleine genug. Einmal war ich bei einem Theaterworkshop, wo wir fünf Minuten lang nette Dinge über uns erzählen sollten. Es ist schockierend, wie wenig den meisten einfällt. Manchmal kann es passieren, dass man alleine sogar in einen Strudel der Selbstkritik gefangen ist, der keine Kraft mehr zum Schreiben lässt. Bei mir sind es manchmal Gedanken wie: „Das bringt doch nichts“, „Tu lieber was Sinnvolles“ oder „Niemand will das lesen“. Dann muss ich kurz durchatmen und mir selbst sagen: „Es muss doch nichts bringen. Und wenn es niemand lesen will, dann ist das auch ok“.

 

Selbstermutigungsprozesse sind essentiell. Dennoch ist es etwas anderes, wenn ich mit positiver Kritik von anderen konfrontiert bin. Begünstigen und befördern, anfeuern, anspornen und unterstützen sind Dinge, die am besten zwischenmenschlich funktionieren. Räume, in denen sich Menschen gegenseitig die Augen öffnen, ehrlich und wertschätzend zueinander sind können die Basis für einen positiven Zugang zum Schreiben und letztendlich zu sich selbst sein.

 

 

T.C. Boyle, als „Popstar der Belletristik“ bezeichnet, ist ein gutes Beispiel dafür. Er sagte in einem Interview, ohne die Ermutigung und Förderung einiger seiner Lehrenden, hätte er nie entdeckt, „zumindest eine Sache gut zu können: Schreiben“. Daher ist es wichtig, eine Kultur der Ermutigung zu fördern, beim Schreiben und auch bei jeder Art von Aktivismus, die per se immer ein Kämpfen gegen Windmühlen zu sein scheint, so lange, bis er nicht mehr nötig ist.

 

 

Die eigene Phantasie fließen zu lassen sollte Spaß machen und befriedigend sein. JedeR sollte lachen oder auch weinen können über das, was er/sie schreibt oder tut. Aber kein Verlegenheitslachen, weil einem die eigenen Fehler peinlich sind. Keine verzweifelten Tränen, weil der Text nicht perfekt zu sein scheint. Emotionen, die ermutigen, weiterzumachen. Echte Emotionen von einem respektvollen Gegenüber, das ermutigt weiter zu gehen, über sich hinauszuwachsen, seinen Horizont zu erweitern. Dabei müssen alle Gruppenmitglieder einander mit Respekt entgegentreten und ermutigendes Feedback üben. Das heißt nicht, dass man nichts negatives sagen darf, aber Feedback sollte das Gegenüber mit dem Text weiter bringen und dessen Entwicklung fördern. Friendly Feedback ist das Stichwort.

 

Eine Schreibgruppe, in der ich mich wohl fühle, in der ich ermutigt werde und andere ermutige ist ein Nährboden für mein Schreiben. Eine Schreibgruppe kann auch aus einer Gruppe bestehen, die sich gegenseitig Texte per Mail schickt, aber physische Treffen sind meistens sinnvoller. Auch wenn man da meistens mehr quatscht als schreibt ;-)

 

 

Bildquelle: https://pxhere.com/en/photo/1205063

 

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